Kaspar-Gräter-Haus

Das Kaspar-Gräter-Haus und sein Namensgeber

Bereits 1971 wurde im Gemeinderat der Bau eines eigenen Gemeindehauses diskutiert, da für die inwischen gewachsenen Gemeinde der kleine Gemeindesaal im Pfarrhaus doch etwas zu eng wurde. Seine Verwirklichung und seinen krönenden Abschluß fand der Wunsch der Kirchengemeinde nach einem zusätzlichen, geräumigen Versammlungsort erst mit der Einweihung des neuen Gemeindezentrums am 5. Mai 1996. Erbaut wurde es neben der Kirche, auf dem Platz des ehemaligen Schulhauses. Seit 1996 steht unser Gemeindehaus an der Tiefenbacher Straße neben der Kirche und ist inzwischen zu einem wichtigen Mittelpunkt des Gemeindelebens geworden. Auf Beschluss des Kirchengemeinderats bekam das Gemeindezentrum seit 1. Oktober 2006 den Namen Kapar-Gräter-Haus.

Kaspar Gräter

Wer war das nun eigentlich, dieser Kaspar Gräter, dessen Name und dessen Lebensdaten an der Außenfassade des Gemeinzentrums stehen? Hier ein kurzer Abriss seines Lebenlaufs.

Kaspar Gräter, lutherischer Theologe und Reformator, wurde 1501 hier in Gundelsheim als Sohn eines Schultheißen geboren. Wo er seine Kinder- und Jugendzeit verbrachte, darüber ist nichts Verlässliches bekannt. Auf jeden Fall erhielt er eine gute Erziehung. Ab 1519 konnte Gräter an der Universität Heidelberg studieren, brach aber 1522 aus nicht bekannten Gründen sein Studium ab und wurde zunächst Hauslehrer bei Dietrich von Gemmingen auf Guttenberg.
Auf Empfehlung von Johannes Brenz kam er 1527 als Lateinlehrer nach Heilbronn. Hier widmete er sich katechetischen Studien, gab einen Katechismus heraus und veröffentlichte 1528 ein Werk mit dem Titel „Catechesis oder vnterricht der Kinder, wie er zu Haylbrunn gelert und gehalten wirdt“. 1530 folgte eine weitere Schrift: „Das der Christlich Glaub der einich, gerecht vnd warhafftig sey“.
Im Herbst 1533 nahm er sein Studium in Heidelberg wieder auf, promovierte zum Magister und wurde 1534 Pfarrer in Herrenberg, wo er die Reformation durchführte.
1538 wirkte er dann in Cannstatt und wurde 1541 zum Hofprediger zu Herzog Ulrich von Württemberg nach Stuttgart berufen. Hier musste er täglich dem Herzog eine Predigt halten, selbst im Bad und auf der Jagd.
Eine der Predigten muss wohl dem Herzog missfallen haben, weshalb Kaspar Gräter flüchten musste. Ein Vermittler bewog ihn später zur Rückkehr an den herzoglichen Hof. Ansonsten genoss er das volle Vertrauen seines Landesherren, auch das seines Nachfolgers, des Herzogs Christoph, der 1550 die Regierung übernahm.
Seit 1537 war Kaspar Gräter als einer der führenden Theologen des Landes an allen wichtigen kirchlichen Beratungen und Entscheidungen beteiligt. Die Einführung der Visitation (1544) und die Abfassung der „Confessio Wirttembergica“ gehen auf seine Initiative zurück. Als Mitglied des Kirchenrates war er maßgebend bei der Besetzung der Pfarrerstellen in Württemberg.
Bei den konfessionellen Auseinandersetzungen seiner Zeit wirkte er beschwichtigend und war auf einen Ausgleich zwischen den Konfessionen bedacht (etwa beim Augsburger Interim 1548).
Zeitlebens war er dem Reformator Johannes Brenz eng verbunden.
Kaspar Gräter starb 56jährig am 21. April 1557 in Stuttgart.

Das alte Gemeindehaus